Wieso keine Milch-Produkte? Teil 2 – Ethik

Im vorherigen Blog-Artikel habe ich über die gesundheitlichen Aspekte des Konsums von Milch-Produkten geschrieben. Viel ausschlaggebender für meinen Verzicht auf solche Produkte sind jedoch ethischen Beweggründe, über die ich Euch hier schreiben möchte…

Glückliche Milchkühe? Denkste!

Die Milch-Industrie verfolgt, wie andere Teilnehmer unserer westlichen Wirtschaft auch, das Ziel der Gewinnmaximierung. Und in diesem System ist die Milchkuh kein liebes Tier zum Knuddeln, sondern eine Milch-Produktions-Anlage. Gemeinsam mit Zuchtbetrieben und Futterbetrieben kümmert sich der Landwirt um eine möglichst hohe Milchleistung von Kühen.

Dass sich die Bedürfnisse der Kühe dem der Industrie unterordnen müssen ist klar und gesellschaftlich akzeptiert. Denn die Supermarkt-Regale wollen mit großen Mengen an möglichst „preiswerter“ Milch, Käse, Eis, Schlagsahne und anderen Milchprodukten beliefert werden.

Hier greifen Konsumenten gerne zu. Auch Vegetarier. Weil diese glauben – so wie ich früher auch – dass für Milch keinen Kuh getötet wird und Bio-Kühe ein nettes Leben auf saftigen grünen Weiden haben.

Ein schönes Bild. Nur leider… falsch.

Selbst in Bio-Betrieben sind glückliche Kühe selten, auch wenn sie dort tatsächlich mal echtes Gras unter den Hufen haben sollten. Ansonsten fristen Kühe hauptsächlich ihr Leben im Stall. Das reduziert Stress für den Bauern, der die Kühe zum Melken nicht immer wieder von den Weiden einsammeln muss. In Großbetrieben können da schon mal 1.600 Milchkühe in in vollautomatisierten Ställen stehen.

Einen solchen zeigt der folgender aus meiner Sicht gruselige Werbefilm der Milchindustrie. Das könnt Ihr Euch mal in einer ruhigen Minuten rein ziehen. Spannend sind die Aussagen, wie toll alles für die Kühe ist. Schaut mal genau hin. Meint der Mann wirklich, dass sei „artgerecht“ für ein Herdentier so zu leben? Seinen Kopf durch  Gitter zum Futter zu strecken und von Robotern gemolken zu werden? Und das süße Kälbchen durfte natürlich nicht fehlen – leider vergisst der Sprecher zu erwähnen, dass das Kleine bald geschlachtet wird. Bezeichnend finde ich auch die Aussagen am Schluss: „Milch ist gesund. Wieso sonst würden Menschen Milch seit über 8.000 Jahren trinken?“. Mit dem Argument ist Rauchen auch eine gesundheitliche Wohltat.

Fakt ist – die meisten Milchkühe wachsen in der Halle auf und werden nie den freien Himmel geschweige denn Gras zwischen den Hufen genießen können. Auch wenn uns die Bilder von glücklichen Kühen auf den Milchprodukt-Verpackungen etwas anderes suggerieren wollen. Eigentlich sind das reine Mogelpackungen.

Trennung von Mutter und Kind

Kaum ist eine jungen Kuh geschlechtsreif wird sie geschwängert. Kurz nach der Geburt ihres ersten Kälbchens wird das Kleine von der Mutter getrennt. Klar, es soll uns Menschen nicht die wertvolle Muttermilch weg trinken sondern bekommt statt dessen billigen Milchersatz. Weder Kuh noch Kalb finden die Trennung toll, deshalb suchen und schreien beide nach dem Anderen. In Internet-Foren diskutieren Landwirte darüber, wie schnell man die beiden trennen soll um den Trennungsschmerz zu reduzieren. Von wegen „dumme Kuh“ ohne Gefühle.

Bei Bio-Betrieben wird versucht das Kalb länger bei der Mutter zu lassen. Damit es nicht die Muttermilch trinkt bekommt es einen Nasenring mit Zacken angebracht. Der „Anti-Saugbügel“. Will das Kalb bei der Mutterkuh trinken dann piekst es sie mit dem Nasenring am Euter und die Kuh haut ab. Somit kann das Kalb sein Bedürfnis nach Nähe zur Mutter wenigstens etwas stillen und die Milch hat der Mensch sich gesichert.

Nebenbemerkung: Diesen Anti-Saugbügel gibt es bei dem Betrieb „MS Schippers“. Wer mal das Grusel-Sortiment von diesem „Passion for Farming“-Betrieb ansehen möchte… da vergeht falls noch vorhanden die Lust auf Fleisch und Milch. Von der Ersatzmilch über Futterzusätze, Injektionsspritzen zum Bolzenschussgerät und ”Kadaveraufbewahrung“… http://www.schippers-ms.de/rindvieh/nasenklemmen-nasenring-und-anti-trinkbugel

Karrierepfad der Kälber

Ist das Kälbchen ein Mädel wird es zur Milchkuh aufgepäppelt und bekommt nach 18 Monaten selbst Nachwuchs. Die kleinen Jungs werden mit Eisenmangel aufgezogen, damit ihr Fleisch schön hell wird. Nach wenigen Wochen kommen sie zum Schlachthof. Dort werden die verängstigten Kleinen getötet. Sie werden als Kalbsmedallion, Kalbsbraten oder Kalbsgulasch serviert. Liebe Fleischesser, dieses helle Fleisch auf Euren Tellern sind Körperteile von süssen, verängstigten kleinen Kälbchen…

Die Kuh bezahlt den Preis für Ihre hohe Milchleistung

Die Kuh selbst wird mehrmals am Tag gemolken. In natürlicher Umgebung würden Kühe für ihren Nachwuchs täglich 8 Liter Milch abgeben. Die Industrie hat sie auf 20 Liter bis zu 50 Liter(!) „Milchleistung“ hochgezüchtet. Diese wahnsinnige Höchstleistung kann ihr Körper nur bringen, wenn sie kräftiges Kraftfutter bekommt. Ganz viel Soja aus der brasilianischen und argentinischen Landraub-Landwirtschaft. Oft auch mit Gen-Technik. Also ist das, was bei Kühen unten raus kommt, eigentlich (Gen-)Sojamilch mit viel Tierleid.

Normalerweise wird eine Kuh 20 Jahre alt. Milchkühe halten gerade mal 5 Jahre durch. Dann hat sie eine Tortur an Stall-Stress ohne ausreichende Bewegung, Antibiotika-Behandlungen und möglicherweise auch Euterentzündungen hinter sich. Sie ist nach fünf Jahren im Dienste der Milchwirtschaft ausgemergelt. Deshalb wird sie ausgemustert – im Schlachthaus. Dort kommt unsere gelittene Milch-Produzentin als Hackfleisch wieder heraus, was die häufigste „Verwertungsart“ für diese Tiere ist.

Fazit…

Die Milchindustrie hat es geschafft, dass ich davon überzeugt war, Milchkühe hätten ein tolles gesundes Leben. Um dieses verzerrte Bild zu erzeugen musste ganz viel in Werbung investiert werden. Bei einem Umsatz von 12 Milliarden Euro ein lohnendes Geschäft.

Falls Ihr mögt könnt Ihr dazu auch noch einen sehr passenden Artikel von der Albert Schweizer Stiftung lesen: Albert-Schweizer-Stifung: Milchkühe. Ähnliches wie für die Kuhmilch gilt übrigens auch für Milch anderer Tiere.

Es macht mich nachdenklich, wie wir Menschen mit anderen fühlenden Lebewesen umgehen. Für mich steht fest: Tierliche Milch und Milchprodukte sind für mich out. Pflanzliche Alternativen gibt es zur Genüge.

Lies auch hier zu den gesundheitlichen Vorteilen des Milchverzichts: Wieso keine Milch-Produkte? Teil 1 – Gesundheit.

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Über Martin

Veganer Weltverbesserer.
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7 Antworten zu Wieso keine Milch-Produkte? Teil 2 – Ethik

  1. Es ist wirklich furchtbar wie die Massenproduktion sich auswirkt.

    Wenn man im Supermarkt sieht, zu welchem Preis der Käse verkauft wird, darf man sich nicht wundern. Vor allem, wenn man weiß wie viel Milch man für den Käse braucht.

    Irgendwo muss ja gespart werden, damit die Händler und Zwischenhändler genug verdienen. Das letzte Glied in der Kette zahlt drauf.

    lg
    Maria

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  2. Martin schreibt:

    Hallo Maria. Für die Milch wie für alle anderen Produkte auch wird immer der volle Preis bezahlt, auch wenn nur der kleinste Teil in Form von Geld uns Konsumenten sichtbar und bewusst gemacht wird. Die nicht sichtbaren Preis-Bestandteile sind Umweltzerstörung, Tierleid und Zivilisationskrankheiten. Das fängt bei der Tierhaltung jeder einzelnen Milchkuh an. Und findet seinen traurigen Höhepunkt in der Massentierhaltung.

    lg Martin

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  3. Sehr informativer Artikel – vielen Dank! Wir trinken zwar nicht viel Milch, aber relativ viel Milchprodukte wie Käse, Quark, da unsere Tochter Vegetarier ist…. Es ist wie mit allem: der Preis ist zu niedrig, daher wird zu unbedarft mit den Produkten umgegangen, weggeworfen…. Und die hohe Milch-Überproduktion erst…! Herzliche Grüße, Birthe

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    • Martin schreibt:

      Hallo Birthe – Du hast recht, wir gehen sehr unachtsam mit Lebensmitteln um. Es geht in unserer Wirtschaft der Profit vor dem Leben. Und wir Konsumenten möchten leider viel zu selten sehen, dass hinter den Lebensmitteln Tiere stehen, die leiden müssen damit wir unseren leckeren Käse auf dem Tisch haben. Liebe Grüße, Martin

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